Arbeiten

Ich bewerbe mich für die dritte Ausstellung zum Thema ARBEITEN, in der Reihe Leben, Wohnen, Arbeiten, Dresden mit einigen Variationsbildern aus meinem langjährigen Zyklus zum Wiederaufbau der Frauenkirche betitelt „Baustellenbilder".

Die fünf Reproduktionen die ich hier schicke sind Frühlings,-Sommer,-Herbst und Winter Variationen des gleichen Motivs – eines Handkarren auf der Baustelle- die ich Anhand von Zeichnungen und aus der Erinnerung male. Der Bildraum ist strukturiert durch Baugerüst- elemente . Im Hintergrund ist die Elbe und die Dresdner Silhouette zu sehen, aber bei unterschiedlichen Witterungen,Tages- und Jahreszeiten.

 

Jedes Bild ist 120 x 140 cm. Die Bilder können einzeln, aber mir wäre es persönlich lieber wenn sie mindestens zu zweit ausgestellt würden – Da es hier um die freien Variationsmöglichkeiten der Malerei und der abbildenden Vorstellungskraft geht.

Sinn dieser Variation ist auch die symbolische Wiederbelebung des nun verschwundenen Arbeitsraumes „Frauenkirche" mit den Mitteln der Malerei. Clausewitz sprach von Politik als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Neo Rauch sagt die Malerei ist die Fortsetzung des Traums mit anderen Mitteln. Dem wachsenden Zyklus meiner Baustellenbilder zur Frauenkirche ist meine Fortsetzung der Arbeit des Wiederaufbaus mit dem Pinsel.

Die grundlegende Ebene der Musik ist die erzeugte Illusion von Bewegung, die der Malerei, die erzeugte räumliche Illusion. Die Baustellenbilder sind Arbeits-Raum Kompositionen.

Ich erlebte der Wiederaufbau der Frauenkirche als eine erhabene-schöne, riesige Arbeits- choreographie. Auf der gigantischen Baustelle dachte ich öfters an dem geplanten „Turm zur Arbeit“ des russischen Konstruktivisten El Lisitzky. Seinen bildnerischen Entwurf eines himmelwärts aufstrebenden Turmes, wurde ausgestellt zur ersten Kommunistichen Internationale in den 20er Jahren, wurde aber nie in seine vorgesehene gigantische Größe realisiert ;[1] Ich sah den Bau der Frauenkirche als eine mögliche, prozessuale Verkörperung dieses Turms, ausgeführt zur Melodie der Sandsteinschneidermaschine und des Hebekran-Motors.

Als einer der ersten hier ansässigen englischen Künstler in Dresden's 800 jähriger Kunstgeschichte,- Anne Siebert (Thornycroft) ist die erste englischen Künstlerin die sich hier nach dem zweiten Weltkrieg niedergelassen und besonders geleistet hat- sehe ich die Fortsetzung dieser Baustellen-Malerei als eine meiner wichtigsten Schicksalsaufgaben. In der Zukunft möchte ich gerne Baustellen Bild und Baugerüst Installationen in Städten wie Coventry, Sankt Petersburg oder Brazzaville im öffentlichen Raum realisieren, wobei der körperliche Auf- und Abbau der Gesamtinstallation integral zur ästhetischen Botschaft konzipiert wird. Freie Aktion oder Arbeit verstehe ich als höchste Schönheit.

Darüber hinaus fasziniert mich nicht-lineares, praktisches Wissen. Der Geist wird herkömmlich als ein Wille vorgestellt. Die Hand dagegen hat fünf Willen die bei der Bauarbeit vereinigt werden können, und beim Gitarrenspiel zum Beispiel. Sie arbeiten unabhängig von einander, um mysteriöse Vielfältigkeit in Melodien und Akkorde zu verwandeln. Die Melodien und Akkorde auf der Baustelle der Frauenkirche sind verschwunden; eine meiner künstlerischen Aufgaben hier in Dresden ist die Musik der Baustelle wieder zu beleben.

Christopher Haley Simpson Juli-August 2009



[1] Allerdings wurde ein manshoher „Turm zur Arbeit“ nach El Lisitzky’s Plänen als Eisenplastik im Hafengelände von Liverpool realisiert, unweit der heutigen Tate Gallery, im Auftrag der Britischen Gewerkschaftsbundes, als Andenken an einen wichtigen internationalen Streik der von dort ausging.